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"Coldplay vor 10.000 Zuschauern ist ein Ding der Unmöglichkeit" - Interview Teil 2

Datum : 17.07.20

Wird Ihre Botschaft nach fast vier Monaten Corona-Krise inzwischen gehört?
Nein, der sogenannte "Neustart Kultur" ist für mich derzeit nur eine Worthülse. Von den 1,5 Milliarden Euro, die zur Verfügung stehen sollen, ist bisher nichts bei uns angekommen. Momentan fehlt es noch an konkreten Hinweisen, wie viel, wie und an wen die Hilfen verteilt werden sollen. Die ohnehin subventionierte Staatskultur bekommt bereits doppelte Unterstützung. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich finde das grundsätzlich gut und erkenne die Notwendigkeit. Aber was ist mit uns und unserer Not?

Was fordern Sie konkret von der Politik?
Ich wünsche mir einen Dialog, und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens: Wie kann den insgesamt rund 250.000 Beschäftigten dieser Branche unkonventionell geholfen werden, um essentielle Strukturen für einen Neustart zu erhalten? Schließlich hängen zahllose kleine Firmen vom Livemusik- und Veranstaltungsgeschäft ab, und die brauchen wir, wenn es wieder losgehen soll. Ich spreche von einer breitgefächerten Branche, von Sicherheits- und Ordnungsdiensten, Transportunternehmen und Cateringfirmen, Aufbauhelfern, Technikern und Bühnenbauern. Viele davon sind selbständig und besonders hart getroffen. Einmal ganz abgesehen von den Künstlern.

Die Rolling Stones, Madonna, Sting oder Lady Gaga betrifft das wohl kaum.
In gewisser Weise doch. Die senden alle Signale der Einsamkeit, Isolation und Betroffenheit, denn sie brauchen natürlich Publikum als Resonanzfläche, die einzigartige Interaktion zwischen Bühne und Zuschauern. Aber am Ende können sie die Krise natürlich besser überstehen als viele kleinere und weniger etablierte Künstler. Zurück zum Dialog, den ich mir wünsche: Bei dem müsste es zweitens auch um ein Wiedereinstiegsszenario gehen. Denn es ist doch nicht denkbar, irgendwann im nächsten Jahr den Konzertbetrieb im vollen Umfang wieder aufzunehmen, ohne jetzt praktische Konzepte dafür zu erproben. Deshalb müssen wir sofort stufenweise die Kapazitäten von 30 über 50 und 70 Prozent bis schließlich wieder auf 100 Prozent hochfahren, um dann Zehntausende auf 2021 verschobene Konzerte in ihren vorgesehenen Größenordnungen zu spielen.

Sind so stark verringerte Zuschauerzahlen wirtschaftlich überhaupt tragbar?
Wenn ein Konzert, beispielsweise mit Coldplay in einem Stadion, auf nur 10.000 Zuschauer reduziert wird, dann ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Oder wenn Billie Eilish statt vor 12.000 nur noch vor 3000 Fans spielt - da brauchen wir den Schlüssel gar nicht erst umdrehen. Die Kosten lassen sich unter diesen Umständen überhaupt nicht decken. Und die zusätzlichen Maßnahmen zum Infektionsschutz kommen ja noch obendrauf.

Aber wann wäre ein erstes Konzert dann überhaupt wieder denkbar?
Mein Wunsch wäre es, Ende August oder Anfang September im Frankfurter Waldstadion ein Konzert mit etwa 10 000 Zuschauern zu organisieren, eventuell auch in Wien und in der Schweiz. Allein schon um ein Zeichen zu setzen: Wir leben noch, und gebt Live eine Chance! Ich will vor allem der Politik demonstrieren, dass wir das auch unter schwierigsten Bedingungen können. Wir können die Maskenpflicht durchsetzen, Registrierungen vornehmen, Tickets personalisieren, umfangreiche Hygiene- und Sanitärmaßnahmen sowie Distanzregeln implementieren und

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